BRÜSSEL – Die Europäische Union hat offiziell ihren Willen bekundet, eine neue Klasse von gering sichtbarer, kosteneffizienter Kampfflugzeuge zu entwickeln. Um die Fähigkeitslücke zwischen hochentwickelten Fünftgenerationen-Kampfjets und Anforderungen an Einsätze geringer Intensität zu überbrücken, hat der Europäische Verteidigungsfonds (EDF) €15 Millionen für die anfängliche Wettbewerbs- und Designphase des Future Multirole Light Aircraft (FMLA) bereitgestellt.
Nach den in der zweiten Hälfte Dezember 2025 veröffentlichten EDF 2026 Call Topic Descriptions soll das Programm eine Plattform schaffen, die die robuste Einsatzfähigkeit eines Turboprops mit fortschrittlichen „radar-vermeidenden“ Eigenschaften kombiniert – eine Kombination, die im Bereich leichter Angriffsflugzeuge selten ist.

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„Low Observable“, aber erschwinglich
Das FMLA-Projekt ist nicht darauf ausgelegt, mit dem sechsten Generation Future Combat Air System (FCAS) zu konkurrieren. Stattdessen ist es für Einsatzumgebungen gedacht, in denen der Einsatz eines millionenteuren Tarnkappenjets wirtschaftlich nicht tragbar wäre. Ziel der EU ist es, ein „pragmatisches Luftfahrzeug“ für Einsätze geringer Intensität und Missionen bereitzustellen, die unterhalb der Schwelle offener Kriegsführung liegen.
Das offizielle Anforderungsdokument führt aus:
„Das FMLA sollte auch in spezifischen Kampfrollen wie Light Attack wirksam sein... hyperschallbedingten Bedrohungen, langsamen Oberflächenzielen und gering sichtbaren Zielen (Stealth). Die erforderlichen Technologien sollten durch Kleinserien- oder Funktionsreduzierte Technologiedemonstratoren nachgewiesen werden.“
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Technische Spezifikationen und Anforderungen
Die Europäische Kommission hat ein strenges Kriterienset für das FMLA festgelegt, das Vielseitigkeit und eine geringe betriebliche Präsenz betont.
Propulsion: Turboprop-Triebwerk (ausgelegt auf geringen Kraftstoffverbrauch und hohe Ausdauer).
Weight Class: Maximales Startgewicht (MTOW) bis zu 7,500 kg.
STOL Capability: Das Flugzeug muss in der Lage sein, von einfachen, unbefestigten Start- und Landebahnen mit einer Länge von nur 450 Metern zu operieren.
Survivability: Einsatz fortschrittlicher Materialien zur Minimierung des Radarquerschnitts (RCS) und integrierter Widerstandsfähigkeit gegen elektronische Kampfführung (EW).
Dual-Use: Schnell für zivile Sicherheitsmissionen wie Suche und Rettung (SAR) und Grenzüberwachung umkonfigurierbar.

Strategischer Kontext
Das Programm kommt zu einer Zeit, in der die europäischen Luftstreitkräfte zunehmend auf das in den USA entwickelte F-35 für Tarnfähigkeiten angewiesen sind. Durch die Entwicklung des FMLA hofft die EU, ihre eigene luftfahrtindustrielle Basis zu erhalten und gleichzeitig eine Lösung für Mitgliedstaaten anzubieten, die sich die hohen Lebenszykluskosten von hochentwickelten Tarnplattformen nicht leisten können.
Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, betonte die Bedeutung dieses kooperativen Ansatzes während eines Policy-Briefings am 5. Januar 2026:
„Europa muss die Zusammenarbeit in der Verteidigung stärken, wobei der Europäische Verteidigungsfonds als grundlegende Säule dieser Bemühungen dient. Zum sechsten Mal investieren wir erhebliche Mittel, um Forschung und Entwicklung für wesentliche Verteidigungsfähigkeiten zu fördern und zu unterstützen.“
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Der Fahrplan bis 2035
Während sich das Projekt derzeit in der Phase der Machbarkeitsprüfung und Anforderungsdefinition befindet, hat die European Defence Agency (EDA) einen ehrgeizigen (wenn auch teilweise umstrittenen) Zeitplan festgelegt. Erste Technologiedemonstratoren werden bis 2029 erwartet, wobei das Flugzeug in Serienfertigung zwischen 2035 und 2040 in Dienst gestellt werden soll.
Branchenexperten haben angemerkt, dass das FMLA-Konzept dem Geist nach dem Embraer Super Tucano ähnelt, jedoch mit einer eindeutig europäischen Note: der Einbindung von adaptiver Tarnung und an Bord befindlichen Radarsystemen, die für „Low-Observable“-Operationen optimiert sind.
Voraussichtliche FMLA-Entwicklungsmeilensteine (2026–2035)
| Meilenstein | Zieltermin | Beschreibung |
|---|---|---|
| EDF-Auswahl | Q2 2026 | Vergabe der anfänglichen €15M-Aufträge an industrielle Konsortien. |
| PDR (Preliminary Design Review) | Q4 2027 | Festlegung der Flugzeugarchitektur und der Triebwerkswahl. |
| LOTA Integration | 2028 | Integration von Stealth-Materialien für „Low Observable Tactical Aircraft“. |
| Erstflug (Prototyp) | 2031 | Erstflug der Proof-of-Concept-Rumpfkonfiguration. |
| Volle Einsatzbereitschaft | 2035–2040 | Offizielle Übergabe an die Luftstreitkräfte der EU-Mitgliedstaaten. |

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