Alaska Wird Global: Wie Hawaiian Airlines Die Zukunft Der Fluggesellschaft Veränderte

Alaska Wird Global: Wie Hawaiian Airlines Die Zukunft Der Fluggesellschaft Veränderte

BY JOHN PULLEN Published on March 07, 2026 0 COMMENTS

Ursprünglich veröffentlicht in Jetstream Magazine.

 

Am 3. Dezember 2023 kündigte Alaska Air Group einen der folgenträchtigsten Deals in seiner Geschichte an: die fast 2 Milliarden US-Dollar teure Übernahme von Hawaiian Airlines. Auf den ersten Blick schien die Transaktion Alaskas Stellung an der US-Westküste zu stärken. Tatsächlich brachte sie jedoch etwas viel Bedeutenderes in Gang: die Möglichkeit für Alaska, sich in eine globale Fluggesellschaft zu verwandeln.

 

Foto: Alex Crail | Instagram ansehen

 

Dank einer vergrößerten Flotte steht Alaska Airlines noch mehr Veränderung bevor. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Fluggesellschaft Langstreckenflüge von ihrem Drehkreuz Seattle-Tacoma International Airport anbieten. Obwohl diese strategische Entscheidung eine Abweichung vom bisherigen Geschäftsmodell von Alaska darstellt, scheint die Airline nun endlich über die Flotte, die Voraussetzungen und die Fähigkeit zu verfügen, ein globales Streckennetz profitabel zu betreiben. Diese Chance könnte für Alaska sehr einträglich sein, bringt aber auch eigene Herausforderungen mit sich. Wird Alaska es schaffen, sich auf dem Langstreckenmarkt zu behaupten?

 

Alaska kann endlich seine globalen Ambitionen verfolgen

 

Vor der Übernahme hätte Alaska, wenn es auf Langstreckenmärkte expandieren wollte, mit den umfangreichen Auftragsrückständen von Airbus und Boeing für dafür geeignete Flugzeuge rechnen müssen. Deshalb ist Hawaiians Flotte von Großraumflugzeugen eines der wertvollsten Vermögenswerte des Geschäfts. Alaska hat bisher ausschließlich Mittelstreckenflugzeuge betrieben, was das Streckennetz auf Kurz- und Mittelstrecken in Nordamerika begrenzt hat. Die Wachstumsaussichten der Airline haben sich dadurch nun deutlich erweitert.

 

Flotte von Alaska Airlines (Stand: März 2026)

FlugzeugtypAnzahlDurchschnittsalter
Boeing 737-7001425.7 Jahre
Boeing 737-8006117.9 Jahre
Boeing 737-900ER7910.1 Jahre
Boeing 737 MAX 8141 yr
Boeing 737 MAX 9803.4 Jahre
Boeing 787-942.4 Jahre
Embraer ERJ-175896.8 Jahre
GESAMT3409.3 Jahre

 

Flotte von Hawaiian Airlines (Stand: März 2026)

FlugzeugtypAnzahlDurchschnittsalter
Airbus A321neo187.2 Jahre
Airbus A330-2002412.8 Jahre
Airbus A330-3001012.3 Jahre
Boeing 717-2001924.1 Jahre
Boeing 787-920.9 Jahre
GESAMT7314 Jahre

 

Hawaiian Airlines verfügt über eine große Flotte von Langstreckenjets, die Alaska fast sofort nutzen könnte. Das ermöglichte der Fluggesellschaft, schneller in den Ausbau von Langstreckenverbindungen ab dem kontinentalen Teil der Vereinigten Staaten zu gehen, die im Reiseboom nach COVID bei US-Reisenden beliebt sind. Hawaiians Großraumflotte umfasst 24 Airbus A330-200 und fünf Boeing 787-9 Dreamliner. Zwei dieser Flugzeuge wurden bereits in Alaskas Lackierung umlackiert.

 

 

Alaska wählte die 787 für seine ersten Europaflüge, vermutlich wegen ihrer höheren Effizienz und des verbesserten Passagiererlebnisses. Das Flugzeug ist bei Passagieren beliebt, dank leiserer Triebwerke und einer niedrigeren Kabinenhöhe. Diese Maschinen sind derzeit für 300 Passagiere konfiguriert, mit 34 Sitzen in der Business Class, 79 Premium-Sitzen und 187 Sitzen in der Main Cabin. Allerdings haben die 787 von Hawaiian einige Einschränkungen, die Alaskas Wettbewerbsposition schmälern könnten.

 

Am auffälligsten fehlt der Kabine ein echtes Premium-Economy-Produkt. Die Sitze, die derzeit als „Premium“ vermarktet werden, sind schlicht Economy-Sitze mit mehr Beinfreiheit. Die meisten Langstreckenwettbewerber hingegen bieten ein Premium-Economy-Produkt, das näher an einem inländischen First-Class-Sitz ist: einen größeren, gepolsterten Liegesessel mit mehr Sitzabstand und zusätzlichen Merkmalen wie größeren IFE-Bildschirmen und Amenity-Kits. Das Management von Alaska hat angekündigt, ein solches Produkt bis 2028 einzuführen, doch vorerst läuft die Airline Gefahr, Passagiere zu verlieren, die einen Kompromiss zwischen Business Class und Economy suchen.

 

 

Alaska wirkt zuversichtlich hinsichtlich der Einführung von Großraumflugzeugen in ihre Flotte. Tatsächlich hat die Airline zu Jahresbeginn eine Großbestellung über mehr als 100 zusätzliche Boeing-Jets aufgegeben. Dieser Deal umfasst unter anderem fünf Bestellungen der Boeing 787-10, der größten von Boeing produzierten Dreamliner-Variante. Es scheint, als seien die ersten Langstreckenjets von Hawaiian nur der Anfang von Alaskas Flottendiversifizierung gewesen, die neue Wachstumsperspektiven weltweit eröffnet.

 

Neue Märkte

 

Während die Aufmerksamkeit Alaskas Europa-Debüt gilt, hat die Airline ihre Langstreckenausweitung ab Seattle bereits mit neuen Strecken nach Asien begonnen. Über Hawaiian Airlines startete sie im vergangenen Jahr Nonstop-Flüge sowohl nach Seoul-Incheon als auch zum Flughafen Tokyo Narita. Diese Flüge wurden zunächst mit Hawaiians A330 betrieben, werden inzwischen jedoch hauptsächlich mit der Boeing 787 bedient.

 

Die Entscheidung, in diese Märkte einzutreten, wurde wahrscheinlich von Hawaiians bestehendem Streckennetz beeinflusst. Die Airline bediente diese Städte bereits von ihrem Drehkreuz in Honolulu aus, wodurch Flüge ab Seattle relativ schnell aufgenommen werden konnten, da die Infrastruktur bereits vorhanden war. Außerdem reisen viele Passagiere zwischen diesen beiden Städten und Seattle. Allein 2025 flogen 172,735 Passagiere nonstop zwischen Seoul-Incheon und Seattle mit Korean Air. Zwischen Seattle und Tokio waren es 207,266 Passagiere in Nonstop-Verbindungen. In so große Märkte vorzustoßen und dabei auf Hawaiians vorhandene Infrastruktur zu setzen, machte diese Streckenergänzungen für die Airline zur natürlichen Wahl.

 

Passagiere zwischen Seattle und Seoul-Incheon auf ausländischen Fluglinien im Jahresvergleich

 

 

Passagiere zwischen Seattle und Tokio auf ausländischen Fluglinien im Jahresvergleich

 

 

Da weder Alaska noch Hawaiian zuvor Ziele in Europa bedient hatten, ist die Begründung für die Wahl von London Heathrow, Rom und Reykjavík als erste europäische Destinationen weniger offensichtlich als bei Alaskas transpazifischer Expansion. Die Eigenschaften dieser Märkte machen sie jedoch ebenfalls zu natürlichen Ergänzungen von Alaskas Streckennetz.

 

Die Entscheidung, London zu bedienen, zeugt sowohl von der Größe des Marktes als auch von der Stärke der Oneworld Alliance. London ist ein bedeutendes Reise- und Geschäftsziel, dank Alaskas Mitgliedschaft in der Oneworld Alliance können Passagiere jedoch über Partner British Airways zu weiteren Zielen in Europa weitergeleitet werden. Slots am Flughafen Heathrow sind berüchtigt schwer zu bekommen, daher erwies sich Oneworld als besonders wichtig, um Zugang zu einem so lukrativen Flughafen zu sichern. Die Airline plant, ein von American Airlines bereitgestelltes Slot-Paar zu nutzen, um dieses Drehkreuz anzubieten.

 

Die Entscheidung, sowohl Rom als auch Reykjavík anzubieten, richtet sich wahrscheinlich an Freizeitreisende, insbesondere da die Nachfrage nach Flügen in Richtung Europa aus den Vereinigten Staaten weiter boomt. So strömten zum Beispiel im vergangenen Jahr über 22 Millionen Touristen nach Rom. Auch wenn dieses Ziel noch nie nonstop von Seattle aus bedient wurde, ist Alaska der Ansicht, dass die hohe Nachfrage nach Reisen nach Europa kombiniert mit einem starken Zuführnetzwerk in Seattle diese Flüge während der Sommersaison, in der die Strecke angeboten wird, profitabel halten wird.

 

Herausforderungen der globalen Expansion

 

Der Eintritt Alaskas in den europäischen Markt markiert ein wichtiges Kapitel in der Unternehmensgeschichte. Obwohl die Airline nun über die Flugzeuge verfügt, um global zu konkurrieren, und dies in stark nachgefragten europäischen Märkten plant, wird das Wachstum der Fluggesellschaft mit Sicherheit auf Herausforderungen durch Wettbewerber stoßen.

 

Foto: AeroXplorer | Luis Emilio Kieffer

 

Alaskas deutlichster Gegenspieler ist Delta Air Lines. Die in Atlanta ansässige Airline kämpft seit der Errichtung ihres Hubs in Seattle 2014 um die Loyalität der Seattle-Passagiere. Zwar betreibt sie in Seattle deutlich weniger Flüge als Alaska, doch auf Langstreckenrouten hatte Delta fast ein Jahrzehnt lang keine Konkurrenz durch Alaska. Alaskas Expansion ändert das nun und Delta hat bereits reagiert, indem es eigene Nonstop-Flüge nach Rom sowie Verbindungen nach Barcelona gestartet hat. Die Airline fliegt bereits täglich nach London Heathrow.

 

Delta ist zweifellos ein harter Konkurrent, doch Alaskas Marke könnte sich im Duell mit dem starken Rivalen als großer Vorteil erweisen. Trotz Deltas Expansion in Seattle in den letzten Jahren deutet die Marktanteilsverteilung der beiden Airlines darauf hin, dass Alaska weiterhin die bevorzugte Airline in Seattle ist:

 

 Alaskas Marktanteil (SEA)Deltas Marktanteil (SEA)
Juni 201440%10%
Juni 202549%19%

 

Die Zeit wird zeigen, ob Alaskas Europaverbindungen die Erwartungen der Unternehmensführung erfüllen. Während das Fehlen eines echten Premium-Economy-Produkts und die starke Konkurrenz durch Delta die Langstreckenambitionen der Airline erschweren könnten, könnten die starke Präsenz in Seattle und die strategische Auswahl neuer Märkte das Unternehmen für langfristigen Erfolg positionieren, wenn es ein neues Kapitel aufschlägt.

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John Pullen
John is an aviation enthusiast passionate about the airline industry and the marketing and financial strategies that allow airlines to rise and fall. With a strong background in the history of the industry as well as extensive knowledge regarding current industry events, his insights allow him to publish meaningful and insightful articles about the airline industry.

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